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Einschätzung von Risiken

Die Einschätzung der Wahrscheinlichkeit des Eintretens bestimmter Ereignisse ist oft sehr subjektiv. Dennoch lassen sich bestimmte Muster oder Tendenzen bei dieser Einschätzung feststellen. An dieser Stelle sind daher einige Erkenntnisse dargestellt.

In Situationen der Unsicherheit werden häufig heuristische Strategien zur Einschätzung der Wahrscheinlichkeit angewendet. Ein Ereignis wird demnach für um so wahrscheinlicher gehalten, je leichter ähnliche Ereignisse erinnert werden können.

Ausführliche und häufige Information über Risiken kann dazu führen, daß lediglich aufgrund der durch die Information erhöhten Aufmerksamtkeit/Auffälligkeit die Wahrscheinlichkeit des Ereignisses sehr hoch eingeschätzt wird (z.B. Information über Flugzeugabsturz).

Gewinne werden im allgemeinen anders bewertet als Verluste: Wenn es um Wahlmöglichkeiten geht, die zu Gewinnen führen können, wird der sichere Gewinn bevorzugt; wenn es um Wahlmöglichkeiten geht, die zu Verlusten führen können, präferieren wir jedoch die riskantere - uns möglicherweise einen Verlust ersparende - Option.

Ein Risiko wird höher eingeschätzt, wenn eine Technik ein Potential zur Verursachung von Unfällen mit vielen Todesfällen hat, als wenn die Todesfälle einzeln eintreten. So wird das Flugzeug häufig als risikoreicher als das Auto eingeschätzt.

Eine Technik, deren Versagen uns direkt betreffen könnte, erscheint ganz allgemein riskanter und weniger nützlich als eine Technik, deren negative Folgen andere treffen. Der Schaden, der einem selbst zugefügt wird, ist offenbar gravierender als der Schaden, der andere trifft. (St. Floriansprinzip)

Freiwillig übernommene Risiken werden weniger kritisch gesehen und eher akzeptiert als Risiken, denen wir unfreiwillig ausgesetzt sind.

Die Überzeugung, das Risiko durch eigenes Handeln kontrollieren - und das bedeutet natürlich auch: reduzieren - zu können, spielt ebenfalls eine erhebliche Rolle für die Meinungsbildung: Es werden Aktivitäten und Systeme, bei denen man persönlichen Einfluß zu haben meint, für weniger riskant gehalten als solche Aktivitäten und Systeme, bei denen man selbst keine Kontrolle zu haben glaubt.

Natürliche Risiken werden weniger stark gewichtet als von Menschen verursachte Risiken. Technologien, für die wir Schuldige finden können, d.h. Risiken, die wir uns mit der Entwicklung der Industriegesellschaft selbst geschaffen haben, regen uns ungleich mehr auf als natürliche Risiken, die wir als unvermeidbar hinzunehmen tendieren.

Unsicherheit empfinden wir vor allem gegenüber neuen, unbekannten, unvertrauten Technologien. Demgegenüber hat ältere, bekannte und vertraute Technologie für viele eine "background of safety", d.h. man meint zu wissen, was man risikiert.

Schadensausmaße beeindrucken uns stets stärker als Risiken. Nichts demonstriert uns das eindrücklicher als die Praxis der Medienberichterstattung. Durchschnittliche zwanzig PKW-Verkehrstote täglich sind nicht berichtsfähig. Hingegen ist ein einziger kleiner Flugzeugunfall mit gleicher Opferzahl spitzenmeldungspflichtig.

Wenn Sie Erfahrungen oder anschauliche Beispiele für die hier vorgestellten Regeln haben, würde ich mich über eine email von Ihnen sehr freuen!

 

[Quelle: Knesebeck: Risiko ist ein Konstrukt]


Fünf Schritte zum erfolgreichen Risikomanagement:

Markus Zmija

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Version:18.08.2001