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Virtuelle Unternehmen - Fazit meiner Diplomarbeit

Das Konzept des Virtuellen Unternehmens bietet eine vielversprechende Chance, um den Anforderungen einer immer dynamischer und komplexer werdenden Unternehmensumwelt gerecht zu werden. Dabei sollte jedoch stets berücksichtigt werden, daß diese Organisationsform nicht als ein "Allheilmittel" angesehen werden kann, welches im jedem Fall zum Erfolg führt. Vielmehr sind vor einer Teilnahme an solchen Kooperationen die Vor- und Nachteile für das einzelne Unternehmen sorgfältig gegeneinander abzuwägen. In der Praxis ist diese Art der Leistungserstellung wohl am ehesten in Branchen zu verwirklichen, in denen immaterielle Produkte erstellt werden, so wie es z.B. in der Softwareentwicklung oder bei Beratungsdienstleistungen der Fall ist. Hier wird schon lange projektbezogen gearbeitet, um kundenindividuelle Anforderungen zu erfüllen. Die zu bewältigenden Aufgaben werden in kleinere Einheiten aufgeteilt, von verschiedenen Personen (-gruppen) bearbeitet und anschließend zu einer Gesamtlösung kombiniert. Der Unterschied zu einem Virtuellen Unternehmen besteht eigentlich nur darin, daß sämtliche Teilleistungen in einem real existierenden Unternehmen erbracht werden.

Die Verfügbarkeit leistungsfähiger Informations- und Kommunikationssysteme erlaubt es den Unternehmen heute jedoch, die Bearbeitung der Teilaufgaben auf die geeignetesten Leistungserbringer zu verteilen, ohne auf deren räumlichen Standort Rücksicht nehmen zu müssen. Die erforderlichen Auftragsinformationen und die Teilergebnisse können über global verfügbare Kommunikations- und Datennetze sekundenschnell an beinahe jedem beliebigen Ort in der Welt übertragen werden. Daher sind die Hauptmotive für die Bildung derartiger Virtueller Unternehmen in einer beschleunigten Leistungserstellung und in einer höheren Qualität der Ergebnisse zu sehen. Diese Vorteile können aufgrund einer verstärkten Parallelisierung des Wertschöpfungsprozesses und durch die Einbindung der jeweils besten Unternehmen erreicht werden.

In Branchen, die materielle Güter produzieren, ist die Bildung Virtueller Unternehmen wesentlich aufwendiger. Hier müssen die zu erstellenden Güter im Rahmen der Kooperation auch physisch zwischen den Mitglieder ausgetauscht werden, so daß mit zusätzlichen Transport- und Liegezeiten zu rechnen ist. Diese können in Abhängigkeit von der räumlichen Verteilung der Kooperationspartner einen wesentlichen Anteil an der Gesamtdurchlaufzeit eines Auftrags ausmachen, wodurch der Geschwindigkeitsvorteil eines Virtuellen Unternehmens schnell in Frage gestellt sein kann.

Eine weitere Schwierigkeit bei der Produktion materieller Güter ist in der oft stark eingeschränkten Korrekturmöglichkeit zu sehen. Im Extremfall kann sogar eine vollkommene Neuentwicklung notwendig werden, falls die erforderlichen Änderungen an einem bestimmten Bearbeitungsobjekt aufgrund des bereits realisierten Fortschritts nicht mehr vorgenommen werden können. Im Gegensatz dazu sind immaterielle Güter i.d.R. leicht veränderbar, da sie meist auf elektronischen Medien gespeichert sind, und die bestehenden (Informations-) Objekte relativ einfach modifiziert werden können.

Trotz dieser Problematik ist eine Verwirklichung des virtuellen Organisationskonzepts auch in diesen Branchen möglich. Hier ist ebenfalls die Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologie als der Faktor anzusehen, der eine effiziente und effektive Kooperation zwischen den Beteiligten ermöglicht. So kann ein Austausch der erforderlichen Auftrags- , Produkt- und Steuerungsdaten über eine gemeinsame IuK-Infrastruktur schnell und unkompliziert erfolgen. Die Gefahr der späten und folgenreichen Fehlererkennung erst während des Produktionsprozesses kann durch eine intensive Zusammenarbeit schon vor der eigentlichen Leistungserstellung verringert werden (z.B. Austausch von Konstruktionsdaten, Qualitätsmerkmalen,usw.).

Eine interorganisationale Kooperation scheint bei der Erstellung sehr komplexer Produkte nur bei einer räumlichen Nähe der Teilnehmer sinnvoll, da anderenfalls die entstehenden Transportzeiten und -kosten die Vorteile neutralisieren könnten. Die Hauptmotive für eine Kooperation "produzierender Betriebe" sind in der Befähigung zur Erstellung von Systemlösungen und in dem Zugang zu schwer transferierbaren Ressourcen zu sehen. Die Beteiligten erhalten auf diese Weise Zugang zu Märkten, die sie im Alleingang nicht bedienen könnten.

In den bisherigen Ausführungen wurde deutlich, daß moderne und leistungsfähige Informations- und Kommunikationstechnologie als der "ermöglichende Faktor" für die Bildung Virtueller Unternehmen betrachtet werden kann. Hier ist insbesondere die rasante Verbreitung des Internets in den letzten Jahren zu nennen. Die Verfügbarkeit des Internets bietet auch kleinen und mittleren Unternehmen die Möglichkeit, mit relativ geringem finanziellen und organisatorischen Aufwand, Zugang zu einer globalen IuK-Infrastruktur zu bekommen, die bisher nur international operierenden Großunternehmen oder wenigen Branchen (z.B. Banken) zur Verfügung stand. So werden sie in die Lage versetzt, umfangreiche Informationen mit anderen Kommunikationspartnern schnell und kostengünstig auszutauschen. Gleichzeitig können sie sich mit einer Homepage im World Wide Web (WWW) weltweit präsentieren und die Kontaktaufnahme zu anderen Unternehmen vereinfachen. Bildet sich durch die Intensivierung von Geschäftsbeziehungen ein relativ stabiles Unternehmensnetzwerk, so kann dieses dem Kunden mittels einer eigenen Homepage als Einheit gegenübertreten und seine Leistungspotentiale vorstellen.

Auch wenn offen bleibt, ob es sich bei dem Begriff des "Virtuellen Unternehmens" nur um ein kurzlebiges Modewort handelt, so ist doch anzunehmen, daß das ihm zugrundeliegende Konzept zukünftig seine Relevanz behalten wird. Denn die verstärkte Auslagerung von Unternehmensfunktionen und die Auflösung von Großunternehmen in übersichtlich strukturierte Profit-Center-Organisationen, sowie die zunehmende Vernetzung der entstehenden Einheiten und kleinerer und mittlerer Betriebe zeigen, daß in der Praxis Abteilungs-, Bereichs- und Hierachiegrenzen an Bedeutung verlieren, und die tradtionellen Unternehmensgrenzen "mehr und mehr in einem Geflecht interorganisatorischer, organischer strategischer und elektronischer (operativer) Netzwerke verschwimmen".

Markus Zmija

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Version:05.10.2001